Naturpark Hüttener Berge

Berge im Flachland. Ja, die gibt es!

Zwischen Ostsee und Nordsee gelegen, an Dänemark grenzend, liegt Deutschlands nördlichstes Bundesland Schleswig-Holstein. Hier befindet sich das Wattenmeer, der größte Nationalpark Mitteleuropas. Vielleicht fragen Sie sich nun, wo in diesem flachen Land wohl Berge zu finden sind? Hier ist die überraschende Antwort: Inmitten Schleswig-Holsteins befindet sich das nördlichste Hügelgebiet Deutschlands, der 1970 gegründete Naturpark Hüttener Berge. Ein 219 Quadratkilometer großes Gebiet, das eine erstaunliche Vielfalt zu bieten hat und es wert ist, entdeckt zu werden. Naturparke nehmen rund ein Viertel der Fläche Deutschlands ein, mittlerweile sind es über 100, davon befinden sich sechs in Schleswig-Holstein (Hüttener Berge, Schlei, Westensee, Aukrug, Holsteinische Schweiz und Lauenburgische Seen). Die Aufgabe eines Naturparks ist es, den Schutz und den Nutzen der Landschaft bestmöglich zu verbinden. Biotope und Artenvielfalt sollen erhalten werden und Erholungsuchende aus nah und fern finden, was sie für ihr Wohlbefinden brauchen.

Der Naturpark: Lage, Anfahrt und Orte

Der im Nordosten Schleswig-Holsteins gelegener Naturpark liegt zur Gänze im nördlichen Teil des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Im Nordwesten grenzt er an den Kreis Schleswig-Flensburg. Größere Orte sind Schleswig im Norden, Eckernförde im Nordosten und Rendsburg im Südwesten. Kiel, die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins, ist 20 km entfernt. Auch vom Großraum Hamburg aus ist das Gebiet gut erreichbar. Über die Autobahn-Abfahrten Rendsburg-Büdelsdorf und Owschlag der A7 (Hamburg-Flensburg) in Nord-Süd-Richtung gelangen Sie direkt in den Naturpark. Westlich der Autobahn verläuft die Bahnstrecke Neumünster-Flensburg mit der Station Owschlag. Von Osten nach Westen verlaufen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Im Norden befindet sich in Eckernförde eine Haltestelle der Bahnlinie Kiel-Flensburg. Zwischen einigen der im Naturpark gelegenen Orte bestehen Busverbindungen.

 

Folgende Gemeinden befinden sich vollständig im Naturpark,

die meisten von ihnen gehören zum Amt Hüttener Berge:

  • Ahlefeld-Bistensee
  • Ascheffel
  • Bünsdorf
  • Damendorf
  • Groß Wittensee
  • Haby
  • Holtsee
  • Holzbunge
  • Hummelfeld
  • Hütten
  • Klein Wittensee
  • Osterby

Teilweise innerhalb des Naturparks liegen: Alt Duvenstedt, Borgstedt, Brekendorf, Fleckeby, Goosefeld, Güby, Neu Duvenstedt, Owschlag und Sehestedt. Im Gebiet des Naturparks leben rund 20.000 Menschen, die höchste Einwohnerzahl hat die Gemeinde Owschlag mit fast 3.700, die niedrigste Hütten mit weniger als 200.

Faszinierende Spuren der Eiszeit

Der Naturpark befindet sich überwiegend im Östlichen Hügelland, unterteilt in die Bereiche Hüttener und Duvenstedter Berge und Dänischer Wohld. Kleinere Teile gehören zum Schleswiger Vorgeest und zu Schwansen. Die Geologie dieses Gebiets ist faszinierend. Die Jungmoränenlandschaft mit ihrer hügeligen Oberfläche stammt aus der letzten Eiszeit, dem Weichselglazial und ist vor 15.000 bis 30.000 Jahren entstanden.

Gewaltige Eismassen schoben sich über die Eckernförder Bucht und bildeten Endmoränen, die heutigen „Berge“ mit rund 100 m Höhe. Der im Naturpark liegende Wittensee wurde von einer Gletscherzunge ausgeschürft. Durch von Schmelzwasser aufgeschütteten Sande und Kiese entstand die im westlichen Teil liegende Landschaft mit Binnendünen, Mooren und Heidegebieten.

Der Naturpark gilt als eindrucksvollstes Beispiel einer eiszeitlichen Landschaft in Norddeutschland. Es ist wahrlich spannend, so viel spür- und sichtbare Erdgeschichte zu erwandern.

Abwechslungsreiches Mikroklima

Eine Besonderheit, die maßgeblich zur Artenvielfalt des Naturparks beiträgt, ist das abwechslungsreiche Mikroklima. Die Westseite bei Owschlag ist mit einem Jahres-Temperaturdurchschnitt von 9,3 °C deutlich kühler als Ascheffel an der Ostseite mit einem Jahresmittel von 9,8 °C. Dieser Temperaturunterschied von einem halben Grad ergibt sich aus der windgeschützten Lage des Ortes.

An der Westseite ist der Niederschlag mit rund 930 mm (Liter pro Quadratmeter) im Jahr außerdem wesentlich höher als im Osten, wo er rund 660 mm beträgt. Die Anzahl der Sonnenstunden liegt etwas über dem deutschen Durchschnitt. Generell ist das ozeanische, gemäßigte Klima hier durch die Lage an Nord- und Ostsee geprägt.

Reizvolle Landschaftsvielfalt

Seine Vielfalt macht den Reiz des Naturparks aus. Die Erhebungen rund um den Bistensee mit ihren teilweise bewaldeten Kuppen lassen einen an Landschaften des Mittelgebirges denken und werden daher auch „Kleiner Harz“ genannt. Trockene Hügel und Magerwiesen wechseln mit feuchten Niederungen. Hier haben sich Auen und Feuchtwiesen erhalten. Die flache Vorgeest ist von Mooren und Binnendünen geprägt.

Im Dänischen Wohld zeigt sich eine typische, landwirtschaflich genutzte Gutslandschaft, die sich in den Naturraum einfügt. Eine Besonderheit der bäuerlichen Kulturlandschaft sind die sogenannten Knicks, angepflanzte „lebende Zäune“ aus heimischen Sträuchern und Gehölzen. Diese aus Wallhecken bestehende Knick- und Redderlandschaft, die neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen bilden, stehen unter Naturschutz.

Teiche und Weiher des Naturparks sind Bistensee, Heidteich, Fresensee, Owschlager See und Wittensee, wobei letzterer der flächenmäßig größte ist. Dazu gesellen sich die fließenden Gewässer Hüttener Au, Mühlenbach, Alte Eider, Osterbek, Schirnau und Sorge.

Einzigartig ist auch die Lage des Naturparks als Quellregion dreier Gewässer: der Elbe, der Ostsee und der Nordsee. Im Südwesten von Groß Wittensee trifft die Nord-Ostsee-Wasserscheide auf die Elbe-Wasserscheide. Von diesem Punkt aus fließt Wasser in drei verschiedene Fluss-Systeme ab. Der Nord-Ostsee-Kanal bildet die Grenze des Naturparks.

Die höchsten Gipfel

Nun aber zu den konkreten Gelegenheiten Ihres Gipfelsturms. Die drei höchsten Berge im Naturpark befinden sich alle unweit von Aschaffel: Der Scheelsberg ist mit 106 Metern die höchste Erhebung. Das Markenzeichen des 99 Meter hohen Heidbergs ist ein Findling, ein großer Stein, den das Eis der Gletscher vor Jahrtausenden hier abgelegt hat. Auf dem 98 Meter hohen Aschberg befindet sich ein 7 Meter hohes Bronze-Standbild von Bismarck, das 1930 auf abenteuerliche Weise dorthin gelangt ist. Etwas abseits ist dem Oberlandvermesser Johann Bruyn ein Gedenkstein gewidmet, der im 18. Jahrhundert in Amt Hütten die erste Landreform durchführte. Vor wenigen Jahren wurden ein Hotel mit Seminargebäude, Gastronomie und ein Jugendgästehaus sowie ein 20 Meter hoher Aussichts- und Kletterturm eröffnet. Diese erhöhten Punkte geben herrliche Panoramablicke auf die Eckernförder Bucht und die Schlei frei.

Laubfrosch und Sonnentau

Naturfreunde werden jubeln. In der strukturreichen Landschaft mit ihren unterschiedlichen Biotopen fühlen sich zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wohl. Vom Naturparkverein durchgeführte Renaturierungs- und Umweltschutzprojekte sollen die Erhaltung der wertvollen Lebensräume sicherstellen. In den Moorgebieten finden sich selten gewordene Pflanzen wie der fleischfressende Sonnentau (Drosera rotundofolia), Wollgräser (Eriophorum) und Torfmoose (Sphagnum). Besonderen ökologischen Wert haben die Heidelandschaften der Binnendünen.

Der Naturpark ist waldreich mit Vorkommen von Nadel- und Mischwäldern, Buchen- und Eichenmischwäldern, Erlenbruchwäldern und Weiden. Das Groß Wittenseer Moor und die Sorgwohlder Binnendünen stehen unter Naturschutz. Auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen sind typische Tiere wie Rehe, Damwild, Rotfuchs, Dachs und Wiesel anzutreffen. Besonders hervorzuheben sind die vielen Fledermausarten, für die ein Tunnel als Lebensraum aktiviert wurde und die in der Dämmerung beobachtet werden können.

Kleingewässer und deren Ufer sind Heimat von Laubfrosch, Gras- und Moorfrosch, Kamm- und Teichmolch, Ringelnatter und Kreuzotter. In den größeren Gewässern sind Fische wie Aal, Zander, Kleine Maräne, Meerforelle, Hecht, Barsch, Plötze, Schlei und Brassen anzutreffen. In den kleineren Wasserlebensräumen tummeln sich Bachneunauge, Moderlieschen und Steinbeißer. Auch Vögel finden hier ideale Lebens- und Bruträume vor. Vom Weißstorch bis zum Uhu, vom raren Wachtelkönig bis zur Rohrdommel, von Graureiher- und Möwenkolonien bis zu Rohrweihe, Braunkehlchen, Neuntöter und Heidelerche. Die Teiche wurden von Tauch- und Schwimmvögeln erobert. Auch spezialisierte Insekten wie Libellen- oder Schmetterlingsarten sind im Naturpark zu beobachten. Da heißt es nur noch: Bestimmungsbücher und Kamera in den Rucksack packen und es kann losgehen. Eigenständig oder bei einer der zahlreichen von Natur- und Landschaftsführern angebotenen begleiteten Wanderungen.

Entspannung und Bewegung

Mit dem Fahrrad, zu Pferd oder zu Fuß. Die vielfältigen Landschaften wollen ausgiebig erforscht werden. Gesundheit und Seele werden es Ihnen danken. Erkunden Sie die Gegend mit dem Drahtesel oder nehmen Sie einen echten bei den angebotenen Eselwanderungen. Als Besonderheit können Sie die eiszeitliche Landschaft mit einem Husky-Hundegespann erleben.

Auf Pferdefreunde warten Gestüte und Ponyhöfe, die Reitunterricht, Reiterferien, Wander- und Westernreiten oder Planwagen- und Kutschfahrten anbieten. Das Wegenetz mit attraktiven Wander-, Fahrrad- und Reitstrecken bietet vom kleinen Ausflug bis zu größeren Touren alles.

Der in der 700 Jahre alten, idyllischen Kleinstadt Eckernförde beginnende, 200 Kilometer lange Naturparkweg führt durch fünf der Naturparke Schleswig-Holsteins und schließt an die Europäischen Fernwanderwege E 1 „Nordsee-Bodensee-Gotthard-Mittelmeer“ und E 6 „Ostsee-Wachau-Adria“ an. In Westensee kreuzt er den 117 Kilometer langen Nord-Ostsee-Wanderweg, der nach Kiel führt. Wer keine so großen Distanzen zurücklegen kann oder will, findet beim – auf Wunsch von einem Instruktor angeleiteten – Nordic Walking eine ideale Möglichkeit die Natur zu genießen und gleichzeitig etwas für Herz und Kreislauf zu tun.

Eine moderne Form, Landschaften zu erkunden ist Geocaching, eine Art Schatzsuche anhand geographischer Koordinaten. Im Naturpark warten zahlreiche „Caches“ darauf, entdeckt zu werden.

Das Wasser dient nicht nur zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum, auch Besucher können das kühlende Nass genießen. Zum Schwimmen, Segeln, Bootsfahren oder Angeln. In diesem einzigartigen Rückzugsgebiet werden Sie keine Motorboote finden, diese sind im Naturpark verboten.

Das größte Gewässer ist der Wittensee. Über einen flachen Sandstrand gelangen Sie an vier Badestellen ins Wasser, vier weitere Plätze befinden sich an kleineren Seen. Die meisten sind mit Grillplätzen und Badeinseln bzw. -stegen und Spielplätzen ausgestattet.

Geschichte und Kultur

Natur und Kultur stehen hier in harmonischer Verbindung. Im 14 Hektar großen Außengelände des Naturerlebnisraums Kolonistenhof in den Duvenstedter Bergen erwarten Sie ein familiengeeigneter Streichelzoo, Erlebnisstationen und eine aus 80 Eichen gebildete Baumkirche unter freiem Himmel. Im Gebäude erfahren Sie Wissenswertes über die Geschichte der Region.

Im gesamten Naturpark finden Sie Rundwege und Waldlehrpfade mit Info-Tafeln zu Landschaft, Fauna und Flora. Erleben Sie bei einer Führung in Groß Wittensee, wie in der 1874 erbauten und liebevoll restaurierten Windmühle „Auguste“ Korn zu Mehl gemahlen wird.

Weitere Kulturdenkmäler sind die Kirchen in Hütten, Bünsdorf und Groß Wittensee, die Güter Schirnau, Möhlhorst, Harzhof, Hohenlieth und Sehestedt sowie weitere Gebäude, die in den Gemeinden besichtigt werden können. Der ganze Ort Sehestedt mit seinem „Haus der Geschichte“ im denkmalgeschützten Pastorat ist ein Museum. Hinweistafeln erzählen von historischen Ereignissen der vergangenen 800 Jahre. Exponate zur Naturkunde finden Sie im Dorfmuseum Bistensee.

In den Sommermonaten laden Bewohner einiger Orte im Naturpark zur Aktion „Offener Garten“. Sie öffnen die Tore für Besucher, die hier Inspirationen zum Thema Grünraumgestaltung und Bepflanzung erhalten. Gut Schirnau lädt zum Kartoffelfest und inmitten der Sorgwohlder Binnendünen ist der Milchschafhof einen Besuch wert. Hier sehen Sie, wie die Milch der 140 ausschließlich mit eigenem Heu gefütterten Schafe zu Käseprodukten verarbeitet wird und können diese natürlich verkosten.

Im sportlichen Bereich ist Bistensee Austragungsort von Meisterschaften im Offroad-Fahren, „Rund um den Aschaffel“ findet ein Radrennen statt. Der Aschberg ist bekannt für seine Gesangsveranstaltungen, in Hütten gibt es Lesungen und Konzerte. Weitere Künstler wie Maler, Bildhauer, Designer und Kunsthandwerker leben und arbeiten im Naturpark. Immer wieder öffnen auch sie ihre Ateliers und Werkstätten für Besucher. In Sehestedt treten bei den Highland Games schottische gegen deutsche Wettkämpfer an, die sich vor zahlreichen Zuschauern in Disziplinen wie Baumstammwerfen oder Steinstoßen messen.

Gelebte Gastfreundschaft

Ob Imbissstube mit typischen geräucherten Fischspezialitäten für die Rast während der Radtour, Café mit hausgemachten Torten, ländlicher Gasthof mit saisonalen, regionalen Produkten oder gehobenes Restaurant mit Seeblick-Terrasse. Hier finden Sie für jeden Geschmack das passende Gastronomie-Angebot. Manche der Betriebe bieten neben kulinarischen Genüssen auch Minigolfplatz, Kegelbahn oder Sauna an.

Zentrale Anlaufstelle für Besucher des Naturparks ist das Redderhus in Holzbunge. Es ist der Sitz des Naturparkvereins und der Touristeninformation. Hier finden Sie eine Dauerausstellung über die regionaltypische Knicklandschaft und bekommen Auskunft über alles, was Sie über den Naturpark und weitere Sehenswürdigkeiten sowie Veranstaltungen in der Region wissen möchten. Sie erhalten Kartenmaterial und Prospekte und bei der zentralen Zimmervermittlung können Sie direkt vor Ort oder online Ihre Unterkunft buchen. In der Region erwarten Sie Hotels, Ferienwohnungen und -häuser, Privatzimmer, Campingplätze und ein Wohnmobil-Stellplatz. Zu den weiteren Services des Infocenters zählen ein Fahrradverleih, ein Souvenir-Shop und ein Restaurant.